{"id":5138,"date":"2022-09-08T09:14:49","date_gmt":"2022-09-08T09:14:49","guid":{"rendered":"https:\/\/susanneruester.de\/?p=5138"},"modified":"2023-09-18T08:46:18","modified_gmt":"2023-09-18T08:46:18","slug":"vermisst-entfuhrt-gefangen-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susanneruester.de\/?p=5138","title":{"rendered":"Vermisst! Entf\u00fchrt! Gefangen! Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe Sie im Visier!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau liegt auf einem Bett mit Eisengestell, ihre Hand festgekettet. Sie ist in einem Keller. Gefangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mensch wird \u00fcberfallen, an einen unbekannten Ort verbracht, ein Ziel wird gewaltsam durchgesetzt: L\u00f6segelderpressung (z.B. Oetker- oder Reemtsma-Entf\u00fchrung), politische Forderungen (z.B. Lorenz- und Schleyer-Entf\u00fchrung durch die RAF), oder es geschieht aus pathologischem Antrieb (h\u00e4ufig im Krimi). Der Ablauf einer Entf\u00fchrung vollzieht sich meist in folgenden Schritten:<\/p>\n\n\n\n<p>1.&nbsp; Auswahl des Opfers, Observierung, \u00dcberfall, Transport in ein Versteck<\/p>\n\n\n\n<p>2. Verhandlungsphase&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>3. \u00dcbergabe des L\u00f6segeldes\/Erf\u00fcllung der Forderung<\/p>\n\n\n\n<p>4. Freilassung des Opfers.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auswahl und Beobachtung der Zielperson<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>T\u00e4ter-Sicht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine erfolgreiche Entf\u00fchrung setzt hohe Professionalit\u00e4t, hervorragende Organisation, starke Nerven voraus und die F\u00e4higkeit, auf unvorhergesehene Abl\u00e4ufe schnell zu reagieren. Schlichte Gem\u00fcter, planlose Hektiker, triebgesteuerte Pathologen haben bei einer professionell durchgef\u00fchrten Entf\u00fchrung nichts zu suchen. Ist das Entf\u00fchrungsopfer ausgew\u00e4hlt (wegen seines Geldes, seiner Bedeutung, aus anderen pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden), ist der sicherste Ort und Zeitpunkt f\u00fcr den geplanten \u00dcberfall zu finden. N\u00f6tig sind zun\u00e4chst Informationen \u00fcber den Tagesablauf und das Umfeld des Opfers. Wohnung, Arbeitsstelle, Konsum- und Freizeitverhalten, Pkw, Club-Mitgliedschaften werden beobachtet, Mittel wie Hacken der elektronischen Konten, getarnte Kameras, installierte Mikrophone, Kontaktaufnahme zu Nachbarn, Arbeitskollegen, Bekannten des Opfers werden eingesetzt; besonders \u201edankbare\u201c Informanten sind Kinder und Hauspersonal.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Opfer bemerkt von alledem nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der \u00dcberfall<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLassen Sie mich los!\u201c Auf dem Heimweg rennt ein Mann von hinten heran, packt sie, dreht ihr den Arm auf den R\u00fccken. Ein weiterer kommt hinzu. \u201eVerdammt, was soll das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Phase ist f\u00fcr die Entf\u00fchrer risikoreich. Sie sind angespannt, misstrauisch und haben Angst, erkannt zu werden. Professionelle T\u00e4ter sind auf starke Gegenwehr des Opfers vorbereitet. So schnell wie m\u00f6glich wird es bet\u00e4ubt oder die Augen werden verbunden, ein Sack wird \u00fcber den K\u00f6rper gezogen. Gewalt wird nicht angewendet, um zu t\u00f6ten. Ein totes Opfer ist f\u00fcr die Durchsetzung von Forderungen wertlos.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Opfer-Sicht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gewaltsam wird sie weggef\u00fchrt, in ein Auto gesto\u00dfen. Die Hand des Typen neben ihr umklammert ihr Genick, dr\u00fcckt ihren Kopf nach unten. Es geht los, immer weiter weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Opfer, das nichts von seiner Beobachtung bemerkt hat, ist v\u00f6llig \u00fcberrascht, gel\u00e4hmt vor Angst oder ger\u00e4t bei Fesselung, rabiatem Verbringen ins Fluchtauto in Panik und \u00fcbt heftige Gegenwehr, die st\u00e4rkere Repressalien hervorruft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHilfe!\u201c Keine Chance, sich nach au\u00dfen verst\u00e4ndlich zu machen. Sie tritt wild um sich. \u201eKeine auff\u00e4lligen Bewegungen!\u201c Ein stinkender Sack wird \u00fcber sie gest\u00fclpt. \u00dcbelkeit, Finsternis.<\/p>\n\n\n\n<p>Opferschutz-Experten raten, sich defensiv zu verhalten und keinesfalls die Maskierung vom Kopf der T\u00e4ter zu rei\u00dfen. Deren Identifizierung bedeutet den Zusammenbruch der Planung und m\u00f6glicherweise das Todesurteil f\u00fcr das Opfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie versucht, die Stra\u00dfen zu erraten, die sie entlangfahren. Anhalten, Beschleunigen, Abbiegen. Sie wei\u00df die Richtung nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Transport in ein Versteck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Gefangennahme ist der Abtransport die zweitschwierigste Phase. Das Opfer wird zusammengekauert im Fond des Autos oder im Kofferraum transportiert. Auf der Flucht k\u00f6nnen andere Menschen den Vorgang st\u00f6ren, ein Stau kann schnelles Entfernen vom Ort des \u00dcberfalls verhindern, das Opfer kann sich durch Schreien bemerkbar machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Opfer-Sicht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gedanken toben im Kopf. Geht es um L\u00f6segelderpressung? Wer w\u00fcrde f\u00fcr sie zahlen? Sind ihre Entf\u00fchrer pathologische Frauen-Hasser? Wollen sie qu\u00e4len? Umbringen? Es sch\u00fcttelt sie bei dem Gedanken, dass niemand sie sobald vermissen w\u00fcrde. <strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Entf\u00fchrte Menschen versuchen manchmal, die T\u00e4ter in ein Gespr\u00e4ch zu verwickeln, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Dies wird jedenfalls in der ersten Phase nicht gelingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4nen rinnen herunter. \u201eWollen Sie Geld?\u201c Keine Antwort. Sie f\u00fchlt verzweifelt, dass ihre Entf\u00fchrer nicht auf sie eingehen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Opfer befindet sich in v\u00f6lliger Ungewissheit \u00fcber sein weiteres Schicksal. Helfen kann m\u00f6glicherweise das Wissen, dass die meisten Entf\u00fchrer ihr Opfer nicht t\u00f6ten, sondern eine Forderung durchsetzen wollen. Deshalb raten Opferschutz-Experten dazu, dass die entf\u00fchrte Person &#8211; soweit ihr psychisch m\u00f6glich &#8211; die Situation und ihre eigene Ohnmacht erkennt und ohne Gegenwehr annimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur pathologische T\u00e4ter, die das Opfer kidnappen, um es umzubringen oder sich an ihm zu vergehen (real selten, aber beliebte Krimi-Plots), stellen nach Vollzug von Schritt 1 einer Entf\u00fchrung keine Forderung. Anstelle der Freilassungs-Verhandlungen tritt manchmal eine kryptische Mitteilung an die Polizei oder Verwandte oder Freunde des entf\u00fchrten Menschen. Gelingt es dem Opfer einer triebgesteuerten Entf\u00fchrung nicht, zu entkommen, und wird es nicht befreit, endet sein Leben ohne Chance auf Freilassung nach Erf\u00fcllung einer Forderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Typ gibt ihr einen Sto\u00df, dass sie aussteigen solle. Weit drau\u00dfen auf dem Land sind sie. Ihre Beine zittern, sie stolpert. Unter den Achseln war es nass. Pure Angst.&nbsp; \u201eKein Gehampel, kein Geschrei!\u201c Die Faust im R\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach erfolgreichem \u00dcberfall und Verlassen des Tatortes atmen die Entf\u00fchrer erstmal auf. Der schwierigste Teil ist f\u00fcr sie geschafft, die Erregung f\u00e4llt ab. Anders beim Opfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine T\u00fcr wird aufgeschlossen, sie wird eine Treppe hinuntergef\u00fchrt. Wenigstens ziehen sie ihr jetzt den Sack ab. Kaltes, helles Licht, sie blinzelt geblendet, nimmt einen Raum ohne Fenster wahr. Sie ist im Keller. Die T\u00fcr wird geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00e4chsten Teil geht es darum, was im Versteck passiert und wie Verhandlungen angebahnt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe Sie im Visier! Die Frau liegt auf einem Bett mit Eisengestell, ihre Hand festgekettet. Sie ist in einem Keller. Gefangen. Ein Mensch wird \u00fcberfallen, an einen unbekannten Ort verbracht, ein Ziel wird gewaltsam durchgesetzt: L\u00f6segelderpressung (z.B. Oetker- oder Reemtsma-Entf\u00fchrung), politische Forderungen (z.B. 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